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  Neben dem gängigen Körnerfutter, das eine Mischung aus verschiedenen Saaten darstellt, bieten verschiedene Hersteller industriell gefertigte Futtermittel an. Unter deutschen Vogelhaltern sind sie eher unbekannt, in anderen Ländern haben sie sich dagegen in den vergangenen Jahren erheblich stärker etabliert, so zum Beispiel in den USA. Bei diesen industriell gefertigten Futtermitteln handelt es sich um Pellets (pelletiertes Futter) und um Extrudate (extrudiertes Futter). Weil die Herstellungsprozesse unterschiedlich sind, sind auch die Eigenschaften der beiden Futtermittel verschieden.

Pellets
Verschiedene Pellets für ZiervögelDer Begriff Pellet ist aus dem englischen Sprachraum übernommen worden. Ins Deutsche übersetzt bedeutet er soviel wie "Kügelchen". Das ist ein wenig irreführend, denn die einzelnen Stückchen sind nicht unbedingt kugelförmig. Die Pellets bestehen aus mehreren verschiedenen Bestandteilen. Um die kleinen "Futterkügelchen" herzustellen, werden die einzelnen Zutaten, darunter zum Beispiel verschiedene Hirsesorten, erst einmal gründlich gereinigt. Anschließend werden sie zerkleinert. Die verschiedenen zerkleinerten Bestandteile werden im nächsten Schritt miteinander vermischt. Damit sie sich miteinander verbinden, wird Wasserdampf hinzugegeben und anschließend werden die kleinen "Kügelchen", die Pellets, durch Pressen erzeugt. Während des Fertigungsprozesses steigt die Temperatur auf bis zu rund 80 Grad Celsius. Hierdurch zersetzen sich einige wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine. Diese werden nach dem Abkühlen auf die Pellets gesprüht. Was jedoch einige Vogelhalter enorm stört, ist die Tatsache, dass manchen Pellets Farb- und Aromastoffe zugesetzt werden, was sie künstlich aussehen und riechen lässt.

Pellets sind inzwischen von verschiedenen Herstellern für Papageienvögel unterschiedlicher Größe erhältlich. Die kleinsten Pellets eignen sich als Nahrung für Wellensittiche. Anders als beim gängigen Körnerfutter fällt beim Verzehr der Pellets praktisch kein Schmutz an, weil keine Körner entspelzt werden müssen. Lediglich ein wenig Staub kann im Napf zurückbleiben.

Extrudate
Diese Abbildung zeigt beispielhaft das Extrudatfutter 'Adult Lifetime Superfine' von Harrison's Bird Foods; es ist als Futter für kleine Sitticharten geeignetDie Herstellung der Extrudate verläuft in einigen Punkten ähnlich wie die Fertigung der Pellets (siehe oben). Allerdings werden die einzelnen Bestandteile bei vielen Extrudaten noch feiner zerkleinert, also zu einem Mehl zerrieben. Das Pressen erfolgt beim gängigen Fertigungsverfahren unter einer höheren Temperatur von bis zu rund 120 Grad Celsius und unter recht hohem Druck. Auch bei den Extrudaten gehen somit viele Vitamine durch die Herstellung verloren und müssen später wieder von außen auf die einzelnen Futterstückchen aufgebracht werden. Einige Extrudate enthalten wie die Pellets Farb- und Aromastoffe.

Es gibt jedoch auch Extrudate eines bestimmten Herstellers, die auf schonendere Weise mit einem anderen Verfahren hergestellt werden. Dieses kommt mit deutlich niedrigeren Temperaturen und geringerem Druck aus, was sich positiv auf die Inhaltsstoffe auswirkt. Zudem werden für die Herstellung dieser Extrudate ausschließlich Zutaten verwendet, die aus biologischem Anbau stammen. Vitamine und Aromen werden diesen Extrudaten des Herstellers Dr. Harrison nicht zugesetzt. Diese Futtermittel gelten in Bezug auf die Gesundheit der Vögel als besonders wertvoll.

Gewöhnung an Pellets und Extrudate
Weil sowohl Pellets als auch Extrudate in ihrer Oberflächenbeschaffenheit deutlich von derjenigen gängiger Körner und Saaten abweichen, nehmen viele Ziervögel das industriell hergestellte Futter anfangs nicht gleich an. Es erfordert ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl, die Vögel an Extrudate beziehungsweise Pellets zu gewöhnen.

Falls Sie also eine Umstellung Ihrer Vögel von Körnern auf industriell gefertigte Futtermittel planen, gewöhnen Sie sie unbedingt langsam an das neue Futter. Ersetzen Sie nicht sofort sämtliche Körner durch Pellets/Extrudate, weil Ihre Tiere sonst in den Hungerstreik treten könnte, was ihnen schaden würde. Mischen Sie anfangs Extrudate oder Pellets unter die tägliche Körnerration. Beginnen Sie dabei mit einem Verhältnis von 4 Teilen Körnerfutter und einem Teil Extrudaten/Pellets. Erhöhen Sie in den folgenden Tagen den Anteil des industriell gefertigten Futters. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Ihre Tiere ausreichend viel Nahrung zu sich nehmen. Die Vögel sollten in der Umstellungsphase keinesfalls hungern müssen.

Reichen Sie außerdem zusätzlich zu den Pellets oder Extrudaten immer auch Gemüse, Kräuter, Grünfutter aus der Natur, Wildgräser und Obst. Die Vögel benötigen diese Frischkost, um gesund zu bleiben.

Kauf und Lagerung von Pellets und Extrudaten
Erhältlich sind Pellets im gut sortierten Zoofachhandel und bei Händlern, die sich auf den Verkauf von Vogelfutter und -zubehör spezialisiert haben. Je nach Hersteller sind diese industriell gefertigten Futtermittel verglichen mit gängigen Körnermischungen vergleichsweise teuer. Doch sie bringen eine Reihe von Vorteilen mit sich, so sollen beispielsweise die Kosten für die Behandlung ernährungsbedingter Erkrankungen deutlich zurückgehen, weil die Vögel über diese speziellen Futtermittel besonders viele Nährstoffe erhalten.

Sowohl Pellets als auch Extrudate sollen für chronisch kranke Vögel, die beispielsweise an Leberproblemen leiden, besonders gut geeignet sein. Sie sollen gemäß den Herstellerangaben insbesondere von einer Fütterung mit Extrudaten profitieren.

Weil die industriell gefertigten Futtermittel vergleichsweise trocken sind und dies auch bleiben sollen, ist eine kühle, trockene Lagerung unabdingbar. Auch ist darauf zu achten, dass die Futtermittel keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind und nicht vollstauben können. Im Vergleich zu gängigen Körnermischungen sind geöffnete Packungen mit Pellets oder Extrudaten nur vergleichsweise kurz haltbar. Schon nach recht kurzer Zeit beginnen die Nährstoffe zu zerfallen. Dies ist unbedingt zu beachten, um die Vögel immer ausreichend mit Vitaminen zu versorgen.

 
 
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