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Pummelig und bewegungsfaul wie dieser Wellensittich sind viele in Menschenobhut gehaltene VögelGenau wie viele Menschen, neigen auch Wellensittiche und einige andere Ziervogelarten zur Entstehung von Übergewicht. Auf ihre Gesundheit wirkt sich dies nicht förderlich aus: Organverfettung und "Rettungsringe" lassen die Vögel zu phlegmatischen, kränkelnden Stubenhockern werden. Das Fliegen fällt ihnen schwer, weil ihr Knochenbau und die Muskulatur nicht darauf ausgelegt sind, viel Gewicht durch die Luft zu bewegen. Deshalb haben die Tiere kaum noch Lust, aus dem Käfig zu kommen oder gar zu fliegen - ein Teufelskreis, denn wer sich wenig bewegt, nimmt nicht ab, sondern wird eher noch schwerer. Für viele Vogelhalter ist deshalb irgendwann der Punkt erreicht, an dem sie beschließen, dass ihr Vogel abnehmen muss. Oder aber ihr Tierarzt legt ihnen nahe, dihre Vögel auf Diät zu setzen, weil vielleicht sogar schon erste Organschäden durch das Übergewicht aufgetreten sind oder die Tiere Druckstellen unter den Füßen entwickelt haben, weil die Haut dort der ständigen Überbelastung nicht mehr standhalten konnte.

Wie kommt der Speck weg?
Deutlich ist bei diesem Wellensittichmännchen der dicke Bauch zu erkennen, das Tier sollte dringend abnehmenEine Diät für Wellensittiche oder andere Ziervögel - wie sollte diese gestaltet werden, damit sie erfolgreich ist und den Vögeln nicht schadet? Und kann man fertiges Diätfutter kaufen, mit dem die Vögel ganz leicht abnehmen, ohne hungern zu müssen? Oder sollte man es ganz strikt angehen und ihnen gar das Futter für einige Tage komplett wegnehmen? - Dies sind einige der am häufigsten aufkommenden Fragen in Bezug auf eine Gewichtsreduktion bei Vögeln. Weil die genannten Aspekte für die Gesundheit der betroffenen Tiere von größter Bedeutung sind, ist es wichtig, als Tierhalter über ein wenig Grundwissen bezüglich des Nahrungsbedarfs der Wellensittiche oder anderer Ziervögel zu verfügen.

Turbostoffwechsel und unnatürliche Nahrungssituation
Diese beiden Wonneproppen sind eindeutig zu dick und sollten Diät haltenNahezu alle auf der Welt lebenden Vogelarten verfügen über einen sehr raschen Stoffwechsel. Dieser ist eine für das Überleben wichtige Anpassung an die Eroberung des Luftraumes. Um fliegen zu können, müssen Vögel einerseits möglichst leicht sein, andererseits aber auch recht viel Energie aufwenden. Befinden sich große Nahrungsmengen im Körper, ist der Vogel schwerer als ohne gut gefüllten Verdauungstrakt. Damit das Futter nicht lange als zusätzliches und damit hinderliches Gewicht herumgetragen werden muss, verfügen Vögel über eine sehr schnell und effizient arbeitende Verdauung sowie einen Turbo-Stoffwechsel. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es ihnen, große Energiemengen aus ihrer Nahrung zu beziehen. Die unverdaulichen Reste werden rasch als Kot ausgeschieden. Diese Energie wird meist in Flugaktivitäten (Muskelbewegungen) investiert, deshalb werden aktive Vögel, die in freier Natur leben, für gewöhnlich nicht übergewichtig.

Ein reichhaltiges Futterangebot nehmen Wellensittiche und viele andere Ziervögel gern an - und werden dadurch leider schnell zu dickIn der Obhut des Menschen gehaltene Vögel haben denselben schnellen Stoffwechsel und dieselbe effizient arbeitende Verdauung wie Wildvögel. Anders als diese finden Ziervögel aber jeden Tag einen reichlich gefüllten Futternapf in unmittelbarer Nähe vor. Lange Flugstrecken, die Energie verbrauchen würden, entfallen somit. Hinzu kommt, dass manche Halter es zu gut mit ihren gefiederten Pfleglingen meinen. Sie reichen ihnen viel zu viel Futter oder gar Nahrungsmittel, die nicht auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt sind. Diese ständige Verfügbarkeit großer Nahrungsmengen kann insbesondere für Wellensittiche zum Problem werden.

Stark übergewichtiger Wellensittich mit 'Hängebauch'Ganz anders ist es in der Wildnis: In freier Natur leben ihre wilden Verwandten in den Weiten Australiens mal hier und mal dort. Sie ziehen das gesamte Jahr über als Nomadenvögel durch die vielerorts eher lebensfeindliche Landschaft, um nach den wenigen ergiebigen Futterplätzen zu suchen, die nach lokalen Regenfällen entstehen, weil dann Gräser sprießen. Wellensittichen und anderen Vogelarten ist es angeboren, gute Gelegenheiten sofort und möglichst ausgiebig zu nutzen. Bietet sich den wild lebenden Vögeln draußen eine gute Nahrungssituation, schlagen sie sich den Bauch voll, weil sie nicht wissen, ob sie am nächsten Tag wieder so viel Glück haben werden. Diesen Instinkt haben auch im Haus gehaltene Wellensittiche. Tag für Tag stehen sie vor dem gut gefüllten Napf und fressen so viel sie können, um Fettdepots für magere Zeiten anzulegen, denn auch in diesen müssen die Tiere genügend Energie haben.

Ist viel Futter vorhanden, fressen die meisten Wellensittiche mehr, als sie benötigen würdenWeil sie aber in ihrem behüteten Heim beim Menschen immer beste Futterbedingungen vorfinden, können die Fettdepots kontinuierlich wachsen, bis sie so groß geworden sind, dass sogar der schnelle Stoffwechsel nicht mehr hilft - noch dazu, wenn die Vögel zu wenig fliegen oder kaum anderweitige Bewegung haben. Denn sind sie einmal zu schwer geworden, stecken sie mitten in dem bereits weiter oben angedeuteten Teufelskreis: Das Fliegen wird zusehends anstrengender, je mehr sie zunehmen. Je weniger sie fliegen, desto dicker werden sie und sie verbringen noch mehr Zeit in unmittelbarer Nähe ihres Fressnapfes. Dieser Versuchung können sie oft nicht widerstehen und sie fressen erneut, um für schlechte Zeiten vorzusorgen oder weil sie sich aufgrund des Bewegungsmangels langweilen.

Dieses Wellensittichweibchen hat eindeutig zu viel Speck angesetztVogelhalter stehen in einer solchen Situation vor einer wichtigen und leider in den meisten Fällen alles andere als einfachen Aufgabe: Um einen Stubenwellensittich durch eine Diät sein Idealgewicht von circa 40 Gramm (Standardsittiche dürfen circa 55 Gramm wiegen) erreichen zu lassen, muss dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Allerdings sollte die Diät nicht zu drastisch ausfallen, um der Gesundheit der Tiere nicht zu schaden. Schritt für Schritt sollte das Übergewicht in einem sinnvollen Zeitraum abgebaut werden, also beispielsweise zehn Gramm innerhalb von zwei bis drei Monaten.

Nahrungsumstellung und sanftes Bewegungstraining
Aufgrund der raschen Stoffwechselrate benötigen Wellensittiche und andere Ziervögel täglich eine bestimmte Nahrungsmenge. Reicht man ihnen zu wenig oder sogar überhaupt kein Futter, könnten sie binnen kürzester Zeit verhungern. Deshalb gilt: Ziervögel dürfen niemals fasten, um abzunehmen. Eine solche drastische Maßnahme kann sie in Lebensgefahr bringen.

Fressen Wellensittiche zu viel Kolbenhirse, macht dieses Futter dick, weshalb es bei einer Diät rationiert werden sollteNur eine Ernährungsumstellung in Kombination mit einem sanften Bewegungstraining sowie das Rationieren von "Dickmachern" wie zum Beispiel Kolbenhirse, siehe Foto rechts, sorgt dauerhaft für Abhilfe. Wie wir Menschen sollten Ziervögel langsam abnehmen und ihre Diät darf auf keinen Fall zu Mangelerscheinungen (Vitaminmangel) führen. Unterstützend zur Nahrungsumstellung muss sich ein übergewichtiger Vogel mehr bewegen und wieder Spaß am Fliegen gewinnen, anderenfalls wird er sehr wahrscheinlich nicht dauerhaft abnehmen. Doch keinesfalls ist Handeln in Eigenregie sinnvoll, es bedarf bei einer Diät für Ziervögel einiger wichtiger Vorbereitungen.

Vor der Diät zum Tierarzt gehen
Sollten Sie selbst feststellen, dass Ihr Vogel dringend abnehmen muss, ist es in jedem Fall ratsam, ihn vor dem Beginn einer Diät von einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt gründlich untersuchen zu lassen. Viele übergewichtige Vögel erleiden aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung zum Beispiel eine Herzerkrankung, die zunächst unbemerkt bleibt. Fliegt ein solcher Vogel im Laufe der Zeit aufgrund der Gewichtsreduzierung wieder mehr, kann er einen tödlichen Infarkt erleiden, da sein Herz der ungewohnten Belastung nicht mehr gewachsen ist. Deshalb muss im Vorfeld in jedem Fall eine Untersuchung stattfinden, um eventuell vorhandene Organschäden mit wirksamen Medikamenten behandeln zu können. Die Grundregel lautet deshalb: Führen Sie bei Ihren Ziervögeln niemals eine Diät in Eigenregie und ohne vorherige tierärztliche Kontrolle durch.

Das richtige Futter für die schlanke Linie
Auch wenn viele Wellensittiche zunächst einmal skeptisch schauen, ist frisches Gemüse ein wichtiger Bestandteil jeder Diät zur GewichtsreduktionWährend einer Diät zur Reduktion des Gewichts haben fetthaltige Körner und Saaten nichts im Napf der Vögel verloren. Auch echte Dickmacker wie Knabberstangen oder andere in Zoofachgeschäften, Supermärkten oder Drogeriemärkten erhältliche Leckerbissen sollten vorübergehend nicht gereicht werden. Kolbenhirse wird von vielen Tierärzten regelrecht verteufelt, weil sie angeblich furchtbar dick macht. Das stimmt so nicht, sie ist nicht übermäßig fetthaltig. Dennoch überfressen sich viele Wellensittiche und andere Ziervögel häufig an diesem für sie sehr schmackhaften Nahrungsmittel, weshalb ihnen insbesondere in der ersten Phase einer Diät keine Kolbenhirse serviert werden sollte.

Frischkost hilft Ziervögeln dabei, eine schlanke Linie zu bekommenReichen Sie Ihren Wellensittichen, die Diät halten müssen, morgens und nachmittags je einen halben bis dreiviertel Teelöffel Körnerfutter, das ist eine ausreichende Menge. Ergänzend sollten Sie den Tieren viel Frischkost wie Gemüse, Küchenkräuter, wilde Beeren, Grünfutter aus der Natur und Wildgräser reichen. Obst darf ebenfalls serviert werden, aber nur in kleinen Mengen, weil der Fruchtzucker dick macht. Die genannten Futtermittel enthalten Vitamine und Mineralstoffe in großen Mengen und sie sind gleichzeitig fettarm. Vor allem an Gemüse und Kräutern sowie Wildgräsern können sich Ihre Vögel nach Herzenslust satt essen. Entgegen anders lautender Aussagen verursacht Frischkost in Wahrheit übrigens keinen Durchfall.

Keimfutter ist meist weniger gehaltvoll als nicht gekeimte Körner und eignet sich deshalb gut als Futter während einer Diät zur GewichtsreduktionHervorragend als Grundnahrungsmittel geeignet ist frisches Keimfutter, siehe Foto rechts. Durch den Keimvorgang bilden sich mehr Vitamine in den Körnern, während ihr Fettgehalt ein wenig sinkt. Eine weitere gesunde Leckerei, die Sie während der Diät verfüttern können, sind Knaulgrassamen. Sie enthalten relativ wenig Fett und versorgen den Körper des Vogels mit Mineralstoffen und Vitaminen. Aber auch hier gilt: Nicht zu viel reichen, eine sehr kleine Menge von maximal einem Viertel-Teelöffel pro Tag zusätzlich zum Körnerfutter ist ausreichend bemessen.

Bringen Sie Ihre Vögel dazu, sich langsam wieder an das Fliegen und an mehr Bewegung zu gewöhnen, indem Sie den Futternapf nicht im Käfig aufstellen, sondern an einem anderen für das Tier gut erreichbaren Ort im Freiflugzimmer. Die Entfernung zwischen Napf und Käfig sollte anfangs nicht zu groß gewählt werden, damit untrainierte Vögel sie fliegend oder vielleicht sogar kletternd bewältigen können. Mit der Zeit können Sie die Entfernung vergrößern, sobald Ihre Vögel wieder besser fliegen können.

Diätfutter aus dem Fachhandel
Ist ein Wellensittich übergewichtig, reicht es für gewöhnlich nicht aus, sein gewohntes Körnerfutter durch ein Diät-Körnerfutter aus dem Fachhandel zu ersetzen. Wie oben beschrieben, muss die Nahrungsmenge auf täglich einen Teelöffel reduziert und um viel Frischkost ergänzt werden. Anderenfalls bringt das Verfüttern solcher Diätnahrung nicht den gewünschten Erfolg.

Neben dem Diät-Körnerfutter gibt es spezielles extrudiertes Futter (zum Beispiel Futter von Dr. Harrison Externer Link), das einen sehr ausgewogenen Nährstoffgehalt aufweist und Übergewicht entgegenwirkt. Allerdings müssen sich Ziervögel erst einmal an dieses Futter gewöhnen, denn seine Beschaffenheit weicht von der gängiger Körnermischungen ab.

 
 
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