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  Lebererkrankungen sind bei Ziervögeln von außen oft nicht zu erkennen. Lediglich das 'Medikamentenbärtchen' dieses Wellensittichmännchens verrät, dass es wegen einer Leberstörung in Therapie ist und eine entsprechende Leberdiät benötigt.Eine Reihe von Vogelarten, darunter auch Wellensittiche, neigt dazu, Lebererkrankungen zu entwickeln. Der Grund dafür ist meist, dass die Tiere falsch oder zu üppig ernährt werden. Die Folgen sind häufig Übergewicht und eine Verfettung der Leber. Doch neben der Fettleber gibt es einige weitere Lebererkrankungen, die bei manchen Ziervogelarten vergleichsweise häufig vorkommen. Hierzu zählen Entzündungen oder tumorbedingte Veränderungen des Organs. Weil sich Leberprobleme auf unterschiedliche Weise äußern, ist es wichtig, dass ein erfahrener Tierarzt (siehe Adresssammlung Externer Link) eine genaue Diagnose stellt.

Steht fest, dass ein Vogel an einem Leberproblem leidet, müssen zwei Dinge geschehen: Einerseits benötigt das Tier höchstwahrscheinlich eine Leberschutztherapie, für die der behandelnde Tierarzt die Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zusammenstellt. Andererseits müssen die Haltungsbedingungen, dabei vor allem die Ernährung, der Situation angepasst werden. Viele gefiederte Leberpatienten müssen vorübergehend, andere zeitlebens eine bestimmte Diät einhalten, die häufig als Leberdiät bezeichnet wird. Sich an diese Ernährungsvorschriften zu halten ist wichtig, um das geschädigte Organ zu entlasten und den Organismus mit einer ausreichenden Menge an Nährstoffen zu versorgen. Es reicht also in aller Regel nicht aus, den Vögeln lediglich Medikamente zu geben und sie wie bis dahin üblich zu ernähren.

Diät bei leichten Leberproblemen
Bei Lebererkrankungen, die nur leicht ausgeprägt sind (diese Einstufung muss ein Tierarzt vornehmen!), ist in aller Regel eine fettarme und nährstoffreiche Futterauswahl wichtig. Wellensittiche sollten somit bei einer Fütterung mit Körnern solche Saatenmischungen erhalten, in denen sich keine Ölsaaten befinden. Zu den Ölsaaten gehören beispielsweise Leinsaat und Sonnenblumenkerne. Beispiele für Körnermischungen ohne Ölsaaten sind "Wellensittich Diät FWS6" von Rico's Futterkiste Externer Link, das normale "Wellensittichfutter" von Bird-Box Externer Link   und die Mischungen "Welli Mix1", "Welli Mix 2", "Welli Früchtetraum", "Wellimix mit Eukalyptus" und "Welli Gras-Mix" von Grünschnabel Bio Futtershop Externer Link (Achtung, laut meinem Virenscanner ist die Shop-Website des Biofuttershops zurzeit mit einem Trojaner infiziert, Stand: 19.12.2013). Ebenfalls empfehlenswert ist die Umstellung auf ein spezielles Futter, sogenannte Extrudate. Weitere Informationen darüber gibt es im Abschnitt über die Diät bei schweren Lebererkrankungen.

Den erkrankten Vögeln sollte außerdem täglich vitaminreiche Frischkost angeboten werden. Sehr gut geeignet ist frisches Gemüse, denn es ist kalorienarm und liefert wichtige Nährstoffe. Auf Obst trifft dies zwar ebenfalls zu, doch aufgrund seines vergleichsweise hohen Zuckergehaltes kann es Übergewicht fördern. Deshalb sollte Obst an Vögeln mit einer Lebererkrankung nur in geringen Mengen verfüttert werden. Ebenfalls sehr gut geeignet sind Küchenkräuter sowie Grünfutter aus der Natur und einheimische Wildgräser.

Diät bei schweren Leberproblemen
An schweren Lebererkrankungen leidende Vögel benötigen unbedingt eine sehr ausgewogene Diätkost, damit ihr Körper keine Mangelernährung erleidet und gleichzeitig die Leber entlastet wird. Weil die Futterzusammenstellung für derart heikle Patienten oft nicht einfach ist, bietet es sich an, auf ein spezielles Extrudatfutter umzusteigen. Bei der Ernährung meiner gefiederten Leberpatienten habe ich sehr gute Erfahrungen mit dem Extrudatfutter von Dr. Harrison Externer Link gemacht. Zwar ist dieses Futter nicht ganz billig, aber den kranken Vögeln hat es sehr geholfen und ich habe vermutlich Einiges an Tierarztkosten eingespart. Wichtig ist jedoch, dass sich die Vögel zunächst an dieses Futter gewöhnen müssen, wenn sie bisher nur Körnerfutter erhalten haben.

Mehr noch als Vögel mit leichten Leberschäden benötigen die gefiederten Patienten mit schweren Erkrankungen des Organs sehr viele Vitamine und Nährstoffe. Es ist wichtig, sich von einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt beraten zu lassen, um den Tieren die nötigen Substanzen mit dem Futter zukommen zu lassen. Gegebenenfalls kann es erforderlich sein, Nährstoffe zusätzlich zu verabreichen.

Futterzusätze undNahrungsergänzungsmittel
Im Rahmen einer Leberbehandlung brauchen viele betroffene Vögel spezielle Nahrungsergänzungsmittel oder Futterzusätze, die im Idealfall der behandelnde Tierarzt verordnet. Häufig kommen zum Beispiel Amynin oder Volamin zum Einsatz. Diese Präparate werden in der vom Arzt festgelegten Menge dem Trinkwasser hinzugefügt. Lactulose-Sirup kann ebenfalls in einer vom Tierarzt verordneten Menge ins Trinkwasser gegeben werden. Dieses Mittel dient zum Schutz der Leber, ebenso wie Phytorenal-F. Darüber hinaus kommen häufig Vitaminmischungen (ADEC) oder reines Vitamin C zum Einsatz. Manche Tierärzte verordnen zusätzlich die Verabreichung von Vitamin K (zum Beispiel Konakion). Gemahlene Mariendistelsaat oder zerkleinerte Mariendistel-Tabletten gehören in aller Regel ebenfalls zu einer Leberschutztherapie.

Es ist möglich, nach einem vom Tierarzt festgelegten Rezept eine Leberschutzmischung anzufertigen und diese nicht über das Trinkwasser zu verabreichen, sondern dem erkrankten Vogel direkt in den Schnabel einzugeben. Dies hat den Vorteil, dass das Tier die nötige Menge der Mischung tatsächlich zu sich nimmt und der Halter dies kontrollieren kann. Bei einer Verabreichung der Mischung über das Trinkwasser kann es vorkommen, dass der erkrankte Vogel zu wenig trinkt und damit nicht die nötige Menge der Leberschutzpräparate zu sich nimmt. Von Nachteil ist, dass das häufige Einfangen für die Eingabe der Mischung in den Schnabel für die Tiere anstrengend ist und dass ihr Gesichtsgefieder mit der Zeit verklebt, weil sie häufig ein wenig Flüssigkeit ausspucken.

Achtung: Nicht immer finden alle genannten Präparate Verwendung oder es können auch andere, in diesem Kapitel nicht genannte Mittel vom Tierarzt verordnet werden. Bei den hier gegebenen Informationen handelt es sich nicht um eine Therapieempfehlung. Der behandelnde Arzt sollte stets im Einzelfall entscheiden, welche Mittel einem erkrankten Vogel in welcher Menge gegeben werden sollten.
 
 
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