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  Halbreife Hirse ist besonders leicht verdaulich und wird von erkrankten Vögeln meist gern als Nahrung angenommenLeiden Vögel an einer Infektion im Bereich des Verdauungstraktes oder an einem Befall mit inneren Parasiten, ist die Verdauung oft gestört oder die Tiere haben gar Schmerzen. Viele verweigern die Nahrungsaufnahme, weil ihnen die normale Kost Beschwerden wie Übelkeit verursacht. Genau wie Menschen, die Magenprobleme haben, wissen es in einer solchen Situation viele Vögel zu schätzen, wenn sie mit leicht verdaulicher Kost ernährt werden. In diesem Kapitel von Birds Online erfahren Sie, welches Futter und welche Nahrungsmittel bei bestimmten Erkrankungen nicht schädlich sind und welche Sie besser nicht an Ihre gefiederten Patienten verfüttern sollten, während sie an einer Erkrankung des Verdauungstraktes leiden.

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Unbedingt einen Tierarzt zu Rate ziehen
Wichtig ist, dass ein vogelkundiger Tierarzt eine genaue Diagnose stellt und Medikamente verordnet, denn allein durch die Umstellung auf Schonkost werden die meisten Vögel nicht wieder gesund. Stattdessen benötigen sie eine individuelle Therapie, zu der die Nahrungsumstellung lediglich eine Ergänzung darstellt.

Ernährung bei Durchfall und bei Darmbeschwerden
Erst einmal gilt es zu klären, ob Ihr Vogel tatsächlich an einer Durchfallerkrankung oder eventuell an einer Niereninfektion leidet. Lesen Sie bitte die beiden entsprechenden Kapitel und besprechen Sie dies in jedem Fall mit Ihrem Tierarzt. Eine exakte Diagnose kann für einen erkrankten Vogel überlebenswichtig sein.

Bei Durchfall sollten Vögel keine allzu flüssigkeitsreiche Frischkost fressen; Karotten können in aller Regel verfüttert werdenSteht fest, dass es sich tatsächlich um Durchfall handelt, gelten folgende Regeln bei der Fütterung: Reichen Sie Ihrem Vogel bis zum Ende der Behandlung keine stark flüssigkeitshaltige Frischkost. Diese Nahrungsmittel enthalten zwar viele Vitamine, die der Körper Ihres gefiederten Patienten dringend nötig hat. Aber wenn Sie Ihren Tieren beispielsweise Salatgurke oder Melone reichen und sie viel davon fressen, sind die Ausscheidungen naturgemäß etwas feuchter als bei trockener Kost. Es fällt dann mitunter schwer zu beurteilen, ob noch immer Durchfall vorliegt oder nicht. Gegen den Verzehr von eher trockenen Gemüsesorten, zum Beispiel Karotten, spricht hingegen nichts. Auch kann man an Durchfall leidenden Ziervögeln normalerweise Wild- und Küchenkräuter sowie Grünfutter aus der Natur anbieten. Manche Futterpflanzen gelten sogar als Naturmedizin und unterstützen den Heilungsprozess. Ratschläge hierzu kann Ihnen Ihr Tierarzt oder ein Apotheker geben.

Um den ausgezehrten Körper eines Ziervogels, der an Durchfall leidet, zu stärken, gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine wichtige unterstützende Maßnahme ist die Verabreichung von Futterzusätzen mit Vitaminen und Mineralstoffen, da der Vogel sie nicht über frische Nahrungsmittel zu sich nehmen kann. Im Idealfall verwenden Sie ein Präparat, das Ihnen Ihr Tierarzt empfohlen hat.

Um einer allgemeinen Schwäche entgegenzuwirken, eignet sich in einigen Fällen ferner das Verabreichen von Traubenzucker über das Trinkwasser oder in Kamillentee. Diese Maßnahme darf nicht erfolgen, wenn ein Vogel an einer Pilzinfektion oder an einem Befall mit Megabakterien leidet, siehe Kapitel zur Ernährung bei diesen Erkrankungen.

Darüber hinaus ist es oft ratsam, bei starken Durchfällen für eine Zufuhr von Elektrolyten zu sorgen. Denn leidet ein Vogel an starkem Durchfall, verliert er nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralsalze. Sprechen Sie diesen möglichen Behandlungsschritt bitte mit Ihrem Tierarzt ab, der Ihnen ein wirksames Elektrolytpräparat empfehlen kann, wenn er dessen Einsatz für sinnvoll hält.

In Sachen Futter können Sie Ihren Vögeln neben ihrem normalen Körnerfutter (kein feuchtes Quell- oder Keimfutter wegen der hohen Flüssigkeitsmenge, siehe oben!) trockene Getreideflocken als Nahrung anbieten. Sie binden auf natürliche Weise überschüssige Flüssigkeit im Verdauungstrakt. Hafer beispielsweise gehört zum normalen "Menü" eines Wellensittichs, allerdings meist als ganzes Korn in der Futtermischung. Manche Vögel fressen im Krankheitsfall zarte Haferflocken. Ebenfalls günstig bei Durchfallerkrankungen sind gekochte, ungesalzene Kartoffeln, gekochter Reis (natürlich ungesalzen), bestimmte Backwaren und ungesalzene Reiswaffeln.

Achtung: Verzichten Sie bitte unbedingt darauf, Ihren an Durchfall leidenden Vögeln Vogelkohle zu verabreichen. Diese bindet zwar die Flüssigkeit im Darm, aber leider auch viele Nährstoffe, die den Tieren damit fehlen. Besser geeignet ist fein gemahlene Heilerde. Sie bindet ebenfalls die Flüssigkeit, belässt aber die Nährstoffe im Nahrungsbrei, so dass sie dem Vogelkörper nicht verloren gehen.

Schonkost bei Erbrechen und Erkrankungen des Kropfes
Bei Wellensittichen gehören Erkrankungen des Kropfes und das damit verbundene Erbrechen zu den am häufigsten auftretenden Erkrankungen. Oft wird in diesem Zusammenhang von einer Kropfentzündung gesprochen, was jedoch zu stark vereinfacht ist. Es können verschiedene Ursachen hinter den Symptomen stecken, nicht immer handelt es sich tatsächlich um einen entzündlichen Prozess. Mehr Informationen dazu finden Sie an dieser Stelle.

Damit ein an Erbrechen und Übelkeit leidender Vogel möglichst schnell wieder zu Kräften kommt, ohne seine schmerzende und geschundene Kropfschleimhaut übermäßig durch schwer verdauliche Nahrung zu belasten, muss man seinem Tier eine strenge Diät auferlegen. Das Verabreichen dieser Spezialkost sollte bis zum Abschluss der Behandlung mit den vom Tierarzt verordneten Medikamenten beibehalten werden.

Unbedingt zu vermeiden ist bei einer Erkrankung der oberen Verdauungsorgane die Fütterung fettiger Kost, da diese den Kropf zu sehr belastet und den Tieren im übertragenen Sinne "schwer im Magen" liegt. Meist verbieten Tierärzte das Anbieten von Kolbenhirse, weil sie angeblich zu fetthaltig sein soll. Zwar ist Kolbenhirse nicht so schlecht wie ihr Ruf und hat bei weitem weniger Fett, als die meisten Tiermediziner annehmen. Aber Sie sollten Ihrem Vogel dennoch vorübergehend keine reife Hirse reichen, wenn er an einer Erkrankung des Kropfes leidet.

Der Grund dafür ist einfach: Bedauerlicherweise gehört Hirse zu denjenigen Futterstoffen, auf denen sich bevorzugt Pilzsporen absetzen, die einem gesunden Vogel für gewöhnlich nicht schaden, sofern es sich nur um einige wenige Sporen handelt. Ein kranker Vogel wird durch diese Keime zusätzlich geschwächt, weshalb Kolbenhirse auf dem Speiseplan Ihrer erkrankten Tiere vorerst nichts verloren hat. Ebenso sollten Sie sämtliche Ölsaaten während der Diät nicht in den Fressnapf Ihrer Vögel geben. Zu den Ölsaaten gehören beispielsweise Negersaat, Hanf und Sesam.

Halbreife Hirse belastet den Verdauungstrakt kranker Vögel kaum und ist deshalb eine ideale SchonkostHalbreife Hirse ist hingegen eine hervorragende, leicht verdauliche Nahrung, die sogar von kranken, schwachen Vögeln gern genommen wird. Leider hat man dieses nur im Spätsommer erhältliche Futtermittel meist nicht zur Hand, wenn ein Vogel erkrankt. Deshalb empfiehlt es sich, für einen solchen Notfall immer ein wenig halbreife Hirse im Tiefkühlfach zu haben. So kann man kranken Vögeln auch dann dieses leicht verdauliche Futter reichen, wenn gerade keine Erntesaison für halbreife Hirse ist. Eine Alternative sind außerdem halbreife Wildgräser, die man vom Frühling bis zum Herbst in der Natur sammeln und für den Winter einfrieren kann.

Auch gequollene Körner, also Vogelfutter, das für einige Stunden in Wasser eingelegt worden ist, wird von Ziervögeln, die an einer Entzündung oder Erkrankung des Kropfes leiden, meist in kleinen Mengen gefressen. Dasselbe gilt für Kochfutter.

Obst und Gemüse versorgen erkrankte Vögel und auch gesunde Tiere mit wichtigen NährstoffenBesonders wichtig ist es, einem erkrankten Vogel während vitaminhaltige Frischkost zu servieren. Einige Tiermediziner raten zwar davon ab, kranken Ziervögeln Obst oder Gemüse anzubieten, da es ihnen angeblich schadet, weil es zu säurehaltig ist. Dies ist laut veterinärmedizinischer Fachliteratur jedoch nicht richtig und Sie sollten sich an diesen Rat eines Tierarztes ausnahmsweise einmal nicht halten, obwohl ich normalerweise der Ansicht bin, dass das Wort eines Tiermediziners oberstes Gebot ist, wenn es um die Pflege kranker Vögel geht. Einzige Ausnahme: Falls Ihr Vogel an einem Befall mit Pilzen oder Megabakterien leidet, darf er kein Obst fressen. Gemüse kann hingegen in aller Regel bedenkenlos verfüttert werden.

Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe können einem kranken Vogel eher nützen als schaden, und insbesondere in Frischkost sind diese gesunden Stoffe enthalten. Hinzu kommt, dass geringe Mengen von Fruchtsäure im Kropf dabei helfen, die krank machenden Keime abzutöten. Reichen Sie Ihrem kranken Vogel also möglichst viel Frischkost, damit er sich auf gesunde und den Kropf schonende Weise satt fressen kann.

Vitamintropfen für das Trinkwasser sind ebenfalls eine gute unterstützende Maßnahme, um den Vogel schneller genesen zu lassen. Verwenden Sie am besten ein Präparat, das Ihnen Ihr Tierarzt empfohlen hat. Frischkost sollten diese Mittel jedoch nicht vollständig ersetzen, da der Vitamingehalt von Obst und Gemüse oft deutlich höher ist als derjenige der meisten Trinkwasserzusätze. Weil viele Ziervögel während einer Kropfentzündung oft stark abmagern, ist es zudem ratsam, ihnen Traubenzucker ins Trinkwasser zu geben - allerdings nur, wenn keine Pilzinfektion oder Erkrankung aufgrund von Megabakterien vorliegt. Wer seine erkrankten Vögel in Sachen Flüssigkeitszufuhr ideal versorgen will, kann ihnen anstelle des normalen Trinkwassers beispielsweise Kamillentee mit den in diesem Absatz erwähnten Zusätzen reichen.

 
 
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