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Fensterscheiben stellen im Freiflug für Ziervögel eine große Gefahr dar. Sie können das Glas nicht als Hindernis wahrnehmen und oft kommt es zu Zusammenstößen, die schwere Verletzungen oder gar den Tod zur Folge haben können. Detaillierte Informationen über solche Kollisionsunfälle finden Sie in der Gesundheitsrubrik. Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass sich Vögel im Freiflug an Fensterscheiben verletzen, können Vogelhalter einige Maßnahmen ergreifen. So kann man beispielsweise eine Gardine oder einen anderweitigen Fensterbehang vor einer Glasfläche anbringen. Doch dies hat den Nachteil, dass viel Licht geschluckt wird. Eine ganze Reihe von Vogelarten, darunter auch Wellensittiche, mögen es aber gern, sich zumindest vorübergehend im direkten Sonnenlicht aufzuhalten. Weil ich meinen Vögeln dieses Erlebnis ermöglichen wollte und weil sie außerdem ungestört aus dem Fenster schauen können sollen, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht und sie für mein Vogelzimmer inzwischen auch gefunden. In diesem Kapitel möchte ich meine Erfahrungen mit dem Birdpen vorstellen.

BirdpenDer Birdpen ist ein dicker Stift, mit dem sich ein für das menschliche Auge fast unsichtbarer Belag auf gereinigte Fensterscheiben auftragen lässt. Ursprünglich ist er entwickelt worden, um damit Glasflächen von außen zu markieren, damit Wildvögel nicht gegen Fenster prallen. Vereinfacht gesagt funktioniert der Birdpen nach folgendem Prinzip: Durch den feinen Belag, den man mit dem Stift auf das Fenster bringt, wird an den markierten Stellen das UV-Reflexionsverhalten der Fensterscheiben geändert. Da Vögel im UV-Bereich sehen können, nehmen sie die aufgemalten Muster wahr und erkennen die Fensterscheiben als Hindernisse. Meist funktioniert dies sehr gut und Amsel, Meise und Co. prallen zum Beispiel in der Nähe von Futterplätzen nicht mehr gegen Fensterscheiben oder Terrassentüren.

Was draußen funktioniert, sollte auch von innen wirken, mag man nun denken. Es gibt jedoch einen kleinen Haken: Von innen strahlt Kunstlicht auf die Fensterscheiben, und das normale Kunstlicht enthält anders als das Sonnenlicht praktisch keinen UV-Anteil. Folglich können Ziervögel die mit einem Birdpen von innen auf die Glasscheiben aufgetragenen Markierungen nicht so gut sehen wie Wildvögel die von außen auf die Fenster gemalten Muster. Weil ich aber in meinem Vogelzimmer eine spezielle Vogellampe verwende, die auch UV-Licht abstrahlt, kann der Birdpen seine Wirkung entfalten, wie meine Erfahrungen gezeigt haben.

Die Spitze des BirdpensZunächst habe ich die Fenster gründlich gereinigt. Anschließend habe ich gemäß Packungsbeilage mit dem Spezial-Filzschreiber das lösungsmittelfreie und völlig geruchsneutrale Muster aufgetragen, das sehr schnell trocknet. Anders als in der Herstellerempfehlung vermerkt, habe ich allerdings nicht nur ein Streifenmuster auf die Fenstern gemalt, sondern ein Gitter aufgetragen. An den Kreuzungspunkten der waagerechten und senkrechten Linien ist die doppelte Markierungsschicht für das menschliche Auge deutlich zu erkennen, was mich jedoch nicht stört. Zusätzlich habe ich im oberen Bereich der Fensterscheiben einige durchsichtige Vogelsilhouetten (Birdsticker) angebracht. Die beiden Abbildungen unten zeigen die Fenster vorher und nachher:

Fenster ohne Anflugschutz
Fenster ohne Anflugschutz

Fenster mit Anflugschutz
Fenster mit Anflugschutz

Die Abbildung unter diesen Zeilen zeigt oben rechts der Mitte einen Birdsticker und das mit dem Birdpen aufgetragene Muster in der Bildmitte. Man muss recht genau hinschauen, um beides zu erkennen:

Anflugschutz auf einem Fenster im Detail
Anflugschutz auf einem Fenster im Detail

Nachdem ich die Fenster auf diese Weise präpariert habe, durften die Vögel bei eingeschalteter Vogellampe (wichtig wegen der UV-Reflexion) im Zimmer frei fliegen. Einer meiner Katharinasittiche flog direkt auf die Fenster zu, bremste aber davor ab, weil er offenkundig die Markierungen doch noch rechtzeitig gesehen hat. Die Wellensittiche flogen gar nicht erst in unmittelbare Nähe der Fensterscheiben und meine Diamanttauben mieden sie ebenfalls. Inzwischen haben sich die Vögel gemerkt, dass man nicht durch das Glas fliegen kann und sogar bei ausgeschalteter Vogellampe und somit ohne UV-Reflexionen prallen die Tiere nicht mit hoher Geschwindigkeit gegen die Fenster. Lediglich die Diamanttauben rutschen manchmal an der Scheibe entlang, wenn sie von ihrem Lieblingsplatz - dies ist eine vor dem Fenster aufgehängte Schaukel - losfliegen und nach unten möchten. Das Ganze sieht aber eher wie ein kontrollierter Sinkflug entlang der Scheibe aus, die Vögel scheinen die Scheiben tatsächlich wahrzunehmen.

Die Haltbarkeit der Markierungen ist laut Hersteller auf etwa ein halbes Jahr begrenzt. Nach dem Fensterputzen muss das Muster erneut aufgetragen werden, denn Glasreiniger und auch Putzwasser lösen es sehr leicht ab. Ich habe zudem festgestellt, dass sich an den Kreuzungspunkten der Gitterlinien mitunter kleine Federn verkleben, wenn die Vögel während der Mauser im Flug beispielsweise Dunen verlieren und diese zufällig auf ein Fenster fallen. Auch wenn die Diamanttauben wie oben beschrieben kontrolliert an den Fensterscheiben entlang rutschen, bleibt oft etwas Gefiederstaub an den Mustern kleben. Doch das empfinde ich nicht als störend, zumal alles nach dem nächsten Fensterputzen wieder verschwunden ist.

In meinem Vogelzimmer und bei meinen Vögeln ist der Birdpen in Kombination mit der speziellen Vogellampe ein sehr guter Kollisionsschutz. Ob dies in allen Freiflugzimmern so ist, muss wohl im Einzelfall ausprobiert werden. Ganz ohne Vogellampe dürfte es schwierig für die Vögel sein, ein mit dem Stift aufgetragenes Muster zu erkennen. Doch wer seinen Vögeln mit einer Birdlamp eine optimale Beleuchtung bietet, für den könnte der Birdpen eine gute Möglichkeit zum Absichern der Fensterscheiben oder anderer Glasflächen sein.

Erhältlich ist der Birdpen über die gleichnamige Webseite externer Link.

 
 
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