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  Vogelhaltung ist eine schöne Sache, sofern man das Gezwitscher und Gepfeife der Tiere ertragen kann. Ein Wellensittichpärchen ist nicht sonderlich laut, ein Schwarm mit mehr als zehn Tieren kann jedoch eine erstaunliche Lautstärke entwickeln. Wer nicht nur Wellensittiche hält, sondern sie mit anderen Vögeln vergesellschaftet, dem kommen die kleinen Australier vielleicht sogar leise vor, weil die anderen Sittiche erheblich lauter sind. So ist es auch in meinem Vogelschwarm. Zwar sind meine Katharinasittiche den größten Teil des Tages still oder brabbeln nur leise vor sich hin. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden jedoch lassen sie oft und gern ihre je nach Stimmlage recht schrillen und ausgesprochen lauten Kontaktrufe ertönen.

Weil diese Rufe und das Gezwitscher eines großen Wellensittichschwarms selbst dicke Betonwände durchdringen können, kommt es nicht selten vor, dass Vogelhalter Probleme mit ihren Nachbarn bekommen. Um dies zu vermeiden, habe ich vor meinem Umzug im September 2006 über Schallschutzmaßnahmen nachgedacht, mit denen ich meine neuen Nachbarn vor allzu viel Vogellärm bewahren könnte. Denn der Vermieter hatte zwar erstaunlicherweise nichts gegen meine vielen Vögel, was bei fast 20 Tieren keineswegs selbstverständlich ist. Allerdings durfte ich sie nur unter Vorbehalt mit in die neue Wohnung bringen. Sollte sich ein Nachbar über den Lärm beschweren, würde ich den Vogelschwarm drastisch verkleinern müssen, erklärte man mir. Diese Bedingung war fair, denn mir blieb durch das Anbringen eines Schallschutzes die Möglichkeit, die Schwarmreduzierung zu verhindern. Bis zu meinem Auszug aus der Wohnung im April 2008 hat es dank der Schallschutzmaßnahmen keinerlei Probleme mit den Nachbarn gegeben.

Vögel, die wie meine Tiere in einem überwiegend leeren Raum gehalten werden - Möbel gibt's nur wenige in meinem Vogelzimmer -, erzeugen eine Menge Schall und vor allem Echos. Diese Tatsache war mir aus vorherigen Wohnungen bekannt. Gerade die Echos zwischen den Wänden ließen früher den ohnehin schon recht beachtlichen Geräuschpegel zusätzlich ansteigen, sodass ich es manchmal nicht im Vogelzimmer ausgehalten habe, wenn meine Katharinasittiche aus voller Kehle gerufen haben, weil mir die Ohren von den schrillen Schreien schmerzten.

Jeder weiß: Teppiche schlucken Geräusche und auch Echos. Deshalb kam mir die Idee, die große Wand, die an die Wohnung meiner damaligen Nachbarn grenzte, mit einem Teppich zu bekleben. In einem Fachmarkt ließ ich mich beraten, was die Schallschutzqualitäten der einzelnen Teppicharten anbelangt. Entgegen meiner Befürchtung wurde ich nicht belächelt, sondern erlebte größte Hilfsbereitschaft seitens des Verkaufspersonals. Gleich zwei Verkäufer bemühten sich mit mir um eine Lösung für mein Vogelschallproblem.

Ich kaufte einen glücklicherweise nicht allzu teuren Veloursteppich, in dem sich die Vögel nicht mit den Krallen verfangen konnten. Dieser Teppich war an seiner Unterseite mit Filz verkleidet, was ihn besonders viel Schall absorbieren ließ. Um ihn später leichter anbringen zu können, ließ ich ihn in zwei Teile schneiden, denn ein fast vier Meter langes Teppichstück wie eine Tapete gerade an die Wand zu bringen, ist selbst mit vielen Helfern ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit einem sündhaft teuren Spezialkleber (er kostete genauso viel wie der Teppich für die gesamte Wand!) bestrich ich gemeinsam mit zwei Freunden die Wand. Diese Aktion war nur bei weit geöffnetem Fenster zu ertragen, weil der Klebstoff viel Lösungsmittel enthält und binnen Sekunden einen beißenden Gestank verströmt. Der Klebstoff trocknete rasend schnell und wir kamen nicht mehr dazu, sicherheitshalber auch noch die Unterseite des Teppichs einzupinseln, wie man es mir im Teppichladen empfohlen hatte. Wir wagten es und drückten den Teppich gegen die Wand - und er haftete dort sofort. Bis zu meinem Auszug rund anderthalb Jahre später hat er sich nicht gelöst, der Klebstoff war sein Geld wirklich wert.

Eine Woche lang lüftete ich das Vogelzimmer ausgiebig. Bereits nach zwei Tagen hatte sich der Geruch nach Lösungsmittel vollständig verflüchtigt, aber sicherheitshalber lüftete ich weitere fünf Tage ständig, damit sich meine Vögel bei ihrem Einzug einige Tage später nicht an den Gasen vergiften würden. Wer ein permanent genutztes Zimmer mit einem Wandteppich schallschutzisolieren möchte, sollte dies auf alle Fälle bedenken. Für mindestens eine Woche sollten die Vögel in einer anderen Wohnung untergebracht werden, weil anderenfalls akute Vergiftungsgefahr besteht!

Einige Tage nachdem ich gemeinsam mit meinen Vögeln in die neue Wohnung eingezogen war, fragte ich die Nachbarn, ob die Lautstärke meiner Tiere zu ertragen sei. Das in der Wohnung unter meiner lebende Ehepaar sagte, bislang gar nichts gehört zu haben, nicht einmal ein leises Piepsen. In der angrenzenden Wohnung auf meiner Etage lebte ein junges Paar, das lediglich im Badezimmer (dieses grenzte direkt ans Vogelzimmer) leises Gezwitscher hören konnte und sich dadurch nicht gestört fühlte. Mein Selbstversuch hat ergeben, dass man auf dem Dachboden direkt über dem Vogelzimmer ebenfalls nichts hörte. Es war so, als befänden sich gar keine Vögel im Zimmer darunter.

In meiner damaligen Wohnung hat sich die Schallschutzisolierung mit Hilfe eines Veloursteppichs, der an die Wand geklebt wurde, also als voller Erfolg erwiesen. Ich bin froh, mir im Vorfeld Gedanken über das Problem "Lärmbelästigung durch Vögel" gemacht zu haben, denn sehr oft lese ich in Foren und in E-Mails von Birds-Online-Besuchern, dass Sittichhalter wegen der Lautstärke ihrer Tiere Streit mit den Nachbarn haben und im schlimmsten Fall alle Vögel abgeben müssen.

 
 
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