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Zwei flirtende WellensitticheNormalerweise meint es ein Vogelhalter gut, wenn er seinem seit einiger Zeit einzeln gehaltenen oder verwitweten Wellensittich einen Partner dazugesellt. Der Grundgedanke ist ohne Zweifel richtig, denn Einzelhaltung von Wellensittichen ist nicht artgerecht und außerdem trauern die Vögel oft sehr, wenn sie ihren gefiederten Freund verloren haben. Die ungewohnte Einsamkeit kann dann sehr belastend für die Tiere sein und man sollte schnellstmöglich für Abhilfe sorgen.

Der vordere Wellensittich putzt sich lieber, als sich mit dem hinteren Vogel zu beschäftigenAber obwohl Wellensittiche gesellige Tiere sind, kann es bei der Vergesellschaftung geschehen, dass sie sich mit dem neuen Vogel nicht vertragen. Beim Halter ist die Enttäuschung dann meist groß, wenn es zwischen den Vögeln nicht gut läuft. In den harmlosesten Fällen beachten sich die Vögel gegenseitig nicht. Unschöner ist es wenn ein Tier Angst vor dem anderen hat und sich ständig bedrängt fühlt. Ganz besonders gravierend ist es, wenn es zu blutigen Kämpfen zwischen dem alten und dem neuen Vogel kommt, was aber glücklicherweise nur sehr selten geschieht. Insbesondere fehlgeprägte Vögel kann man oft nicht leicht von einem arteigenen Partner überzeugen, aber auch hinsichtlich ihres Sozialverhaltens normale und auf Artgenossen geprägte Wellensittiche können wählerisch sein. 

Wenn Wellensittiche einander kraulen, ist die Zuneigung sehr großNormalerweise sind Wellensittiche ausgesprochen gesellige und sozial lebende Zeitgenossen. Sie vertragen sich mit neuen Schwarm- oder Käfiggenossen nach einer mehr oder minder kurzen Eingewöhnungszeit recht gut. Sich miteinander zu vertragen, heißt aber noch lange nicht, eine feste, innige Beziehung miteinander einzugehen. Was ist es also, das Wellensittiche dazu veranlasst, sich mit einem Artgenossen des anderen Geschlechts fest verpaaren zu wollen? Nach welchen Kriterien wählen die Tiere ihren Partner aus?

Mit dem festen Partner tauschen Wellensittiche häufig Zärtlichkeiten ausVerhaltensforscher haben in der Vergangenheit diesbezüglich stets die schwammige Vermutung geäußert, bei den Wellensittichen sei es wie bei den Menschen: Man würde nach einem passenden Partner für die Fortpflanzung suchen und außerdem würden Sympathie und Antipathie eine entscheidende Rolle bei der Partnerwahl spielen. Seit 2001 wissen es die Forscher genauer. Denn in dem Jahr veröffentlichte eine internationale Forschergruppe ihre erstaunlichen Ergebnisse, die sie mit Hilfe von Versuchs-Wellensittichen gewonnen hat und die einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen dem Aussehen des Gefieders unter UV-Licht und der Attraktivität der einzelnen Vogelindividuen belegen (siehe Originalpublikation Externer Link), worauf auch weiter unten noch eingegangen wird.

Wer die Wahl hat...
Für welches der beiden Männchen wird sich das Wellensittichweibchen entscheiden?Werden Wellensittiche zu zweit gehalten, bilden sie in Ermangelung einer größeren Auswahl an potenziellen Partnern meist ein Paar, sofern sie sich einigermaßen gut verstehen. Meist handelt es sich allerdings um eine Zweckbeziehung. In einem Vogelschwarm haben die Tiere hingegen eine größere Auswahl unter möglichen Partnern. Wie die Sittiche beim Aussuchen vorgehen und was sie als besonders attraktiv zu empfinden scheinen, geht aus der oben genannten Studie hervor.

Das Wellensittichmännchen wird vom Weibchen bewundernd angeschautLaut den Wissenschaftlern spielt demnach das Gefieder der Wellensittiche und damit ihr äußeres Erscheinungsbild oft eine entscheidende Rolle bei der Partnerwahl. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn wer ein intaktes, gesundes und kräftiges Gefieder hat, dem stehen genügend körperliche Ressourcen zu Verfügung um dieses überhaupt zu bilden. Und damit ist dieses Individuum sehr wahrscheinlich auch fit und kräftig genug, erfolgreich Nachwuchs großzuziehen. Aber das scheint nicht in jedem Fall der bei der Partnerwahl ausschlaggebende Faktor zu sein.

Weiß, weiß, weiß sind alle meine Weibchen...
Aus Kindertagen kennen viele von uns noch das Kinderlied "Blau, blau, blau sind alle meine Kleider..." Eines meiner Wellensittichmännchen bevorzugte eher die Farbe Weiß. Dieses Tier namens Orion hatte das Pech, immer wieder Witwer zu werden. Doch wann immer er sich eine neue Partnerin suchte, war diese weiß, siehe Fotos unter diesen Zeilen. Weibchen anderer Farbschläge fand er nur auf den zweiten Blick attraktiv, wie es schien. Derlei persönliche Vorlieben sind ausgesprochen subjektiv und sie sind vermutlich bei der Mehrheit der Wellensittiche nicht vorhanden.

Orion und seine weißen Partnerinnen
Orion und seine weißen Partnerinnen

Allem Anschein nach spielt zudem eine sehr frühe Prägung auf die Farbe der Elternvögel eine Rolle, legen einige neuere Untersuchungsergebnisse nahe. Anfang August 2010 sind außerdem Studienergebnisse veröffentlicht worden, die darauf schließen lassen, dass Wellensittiche sogar die Stimme ihres Partners beachten. Weibchen bevorzugen demnach Männchen, die ähnlich rufen wie sie selbst. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Artikel auf der Seite Wissenschaft aktuell Externer Link.

Schönheit unter UV-Licht
Der Sehapparat der Wellensittiche sowie derjenige vieler weiterer Vogelarten nimmt einen größeren Bereich elektromagnetischer Wellen wahr als das menschliche Auge. Deshalb sind Wellensittiche dazu in der Lage, ultraviolettes Licht zu sehen. Die Sonne strahlt in diesem Bereich ebenso wie im infraroten oder für uns sichtbaren Teil des Spektrums. Im Sonnenlicht betrachtet, bietet das Gefieder eines Wellensittichs einem Artgenossen demnach einen Farbenrausch, den der Mensch nicht wahrnehmen kann, da seinen Augen die Empfindlichkeit für den UV-Bereich fehlt.

Vögel, deren Gefieder besonders stark fluoresziert, stehen laut Aussage der schottischen Biologin Kathryn E. Arnold von der Universität Glasgow sowie einiger australischer Kollegen besonders hoch in der Gunst ihrer Artgenossen. Im US-Wissenschaftsjournal "Science Externer Link" (Bd. 295, S. 92, siehe PDF-Dokument Externer Link) berichtete das Team über die Erkenntnisse, die Versuche an Wellensittichen erbracht haben. Man wollte wissen, ob die im ultravioletten Licht fluoreszierenden Federn auf dem Kopf sowie den Wangen der Wellensittiche zufällig diese Eigenschaft aufweisen oder aufgrund einer gezielten Auslese im Sinne der Evolutionstheorie von Charles Darwin entstanden sind. In diesen Federn eingelagerte Pigmente leuchten auf, sobald sie ultraviolette Strahlung absorbieren.

In ihren Versuchen cremten die Forscher die normalerweise fluoreszierenden Federn einiger Männchen und Weibchen mit Sonnenmilch ein. Das Sonnenschutzmittel verhinderte die Absorption von UV-Licht, sodass die Federpigmente nicht aufleuchten konnten. Da die Forscher die Creme äußerst sparsam aufgetragen hatten, sah das Gefieder der mit den Kosmetika behandelten Vögel im für uns Menschen sichtbaren Licht identisch mit nicht eingecremtem Gefieder aus. Im UV-Bereich war die Leuchtkraft der Federn hingegen stark eingeschränkt beziehungsweise gänzlich unterbunden.

Ein Großteil der am Test beteiligten Vögel wählte einen Partner aus, der nicht eingecremt war und somit fluoreszierendes Kopfgefieder aufwies. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass sich die Fluoreszenz der Wellensittichfedern als evolutionäres Merkmal bei den Vögeln herausgebildet hat und dass ein stärkeres Leuchten eine höhere Chance bei der Partnerwahl verspricht.

Für die meisten Stubenwellensittiche ist dieses visuelle Signal jedoch eher unbedeutend, da sie meist unter Kunstlicht gehalten werden. Gewöhnliche künstliche Beleuchtungsquellen strahlen im Unterschied zur Sonne ein UV-armes Licht ab beziehungsweise ihr Licht enthält überhaupt keinen UV-Anteil.

Linktipps in englischer Sprache:

  • Budgies use fluorescent feathers to attract sexual partners Externer Link

  • BBC News | SCOTLAND | Love birds glow crazy Externer Link - englische Website mit Foto eines Wellensittichs unter UV-Licht

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