Birds Online
     
  Home > Werdegang eines Kükens
     
  Spielender Jungvogel Elemir In dieser Rubrik von Birds Online habe ich ursprünglich anhand meines Wellensittichs Rana exemplarisch gezeigt, wie wie sich ein Nestling in den ersten Lebenswochen entwickelt. Leider hatte ich 1999, als Rana das Licht der Welt erblickte, keine Digitalkamera zur Hand, deshalb habe ich seinerzeit ein Video-Tagebuch angefertigt und in diesem Kapitel einige Bilder aus dem Video veröffentlicht. Die Qualität des Bildmaterials war leider nicht überragend gut, was mich schon immer störte. Deshalb wurde die Rubrik im September 2007 komplett überarbeitet und die Originalaufnahmen vom Videomitschnitt wurden entfernt. Man konnte darauf leider zu wenig erkennen. An ihrer Stelle sind nun sehr gute Nahaufnahmen von Petra Schröder zu sehen, die jedes im Tagebuch erwähnte Detail klar verdeutlichen.

Es sei anzumerken, dass die Entwicklung von Wellensittichen, die mit vielen Geschwistern aufwachsen, vermutlich an der einen oder anderen Stelle von der hier veröffentlichten Beschreibung abweicht, denn Rana wuchs damals leider als einiziges Küken auf.

Die Vorgeschichte
Sirius, Ranas Mutter, legte insgesamt fünf Eier, die ich alle sterilisierte. Das vierte von ihr gelegte Ei maß nur etwa zwei Drittel der Größe eines normalen Eis und ich hielt es für vollkommen ausgeschlossen, dass sich in diesem winzigen Ei Nachwuchs heranbilden könnte, trotzdem stach ich es mit der Nadel an. Aber die Natur sucht sich trotzdem manchmal ihren Weg und ist mächtiger ...

Während Sirius ihr Gelege anfangs wenig zuverlässig bebrütete, fütterte ihr Gatte Kallisto sie noch vorbildlich. Am 15. Bruttag (bezogen auf das vierte Ei) begann Sirius im Nistkasten nervös zu werden, weil sich im zu kleinen Ei das Jungtier regte, denn es hatte kaum noch Platz zum Wachsen. Zwischen dem 15. und 16. Bruttag piepste es und stemmte sich von innen mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft gegen die Schale, die es allein jedoch nicht öffnen konnte. Lediglich zwei winzige Risse zeigten sich in der Schale, und das Kleine verlor nach einigen Stunden vergeblicher Mühen immer mehr Kraft.

Ich musste eine schwer wiegende Entscheidung treffen. Die Fachliteratur sagt, dass man Jungvögel besser nicht aus ihrem Ei holen soll, weil man sie dabei in den meisten Fällen tödlich verletzen würde. Auch sagt die Literatur, dass die Henne Schlupfhilfe leisten würde. Sirius, eine überaus zahme und sehr vertrauensvolle Henne schaute mich jedoch immer nur fragend an - bei ihr versagte dieser Instinkt allem Anschein nach. Also beschloss ich, dem Jungvogel selbst aus dem Ei zu helfen, denn in seinem Gefängnis würde er ohnehin in Kürze sterben.

Eineinhalb Stunden lang zupfte ich vorsichtig Millimeter um Millimeter die Schale auf, ohne den Jungvogel dabei mehr als nötig zu gefährden. Während dieser Zeit hockte die aufgeregte Mutter auf meiner Schulter und schaute gebannt zu, sie begann schließlich sogar zu helfen, indem sie mit ihrem Schnabel vorsichtig die Eischale bearbeitete. Als das Kleine sich schließlich am 19. Dezember 1999 um 19:10 Uhr aus dem letzten Stück Schale selbst befreite, feuerte Sirius es durch ihre Rufe regelrecht an, weiterzumachen. Sofort flog sie zu ihrem frisch geschlüpften Jungtier und wärmte es, während es noch in meiner Hand lag.

Nun war das Kleine also auf der Welt, aber ich muss gestehen, dass ich dem Jungvogel kaum Überlebenschancen einräumte. Eine Frühgeburt ist schon bei Menschen heikel. Wie sollte das Ganze dann erst bei Vögeln gutgehen? Zu meinem Entsetzen stellte ich zudem noch fest, dass Vater Kallisto sich einer anderen Henne zugewandt hatte - bis zu diesem Zeitpunkt zwar ohne Erfolg, aber er fütterte Sirius nicht mehr.

Es lag ganz in Sirius' "Fittichen", den Winzling durchzubringen - und sie schaffte es. Nach vier Tagen wähnte ich den jungen Vogel außer Lebensgefahr und gab ihm einen Namen: Rana. Benannt nach einem Stern in der Konstellation Eridanus, die im Winter am abendlichen Himmel zu sehen ist, wuchs der Sprössling von Sirius schnell zu einem stattlichen Wellensittichweibchen heran. Weil sie meine Nähe vom ersten Moment an kannte, wurde Rana sehr zutraulich, obwohl sie sich innerhalb des Schwarms wie ein ganz normaler Wellensittich verhielt. Uns beiden verband immer eine wundervolle Beziehung, die leider viel zu früh endete, als Rana am 22. April 2006 ohne Vorwarnung starb. Ihr sowie ihrer Mutter Sirius ist diese Rubrik des Internet-Projektes Birds Online gewidmet.

 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.