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  Fußring eines WellensittichsVielen Vogelhaltern und -züchtern stellt sich die Frage, warum es überhaupt Fußringe für Vögel gibt. In diesem Zusammenhang wird häufig außerdem diskutiert, ob es tatsächlich notwendig ist, einen Fremdkörper am Bein eines Vogels zu befestigen. Wer sich mit den Hintergründen der in Deutschland für viele Vogelarten geltenden Beringungspflicht vertraut macht, wird nachvollziehen können, weshalb die Fußringe bei vielen Vogelarten ihre Daseinsberechtigung haben und sogar in gewisser Weise zum Tierschutz beitragen können.

Obwohl seit vielen Jahren strenge Regeln in Bezug auf Wildfänge von Papageien, Sittichen und anderen Vögeln in vielen Teilen der Welt herrschen, werden nach wie vor unzählige Vögel illegal in ihrer Heimat gefangen. Sie gelangen auf dubiosen Wegen in den Handel und viele von ihnen überleben die schrecklichen Transportbedingungen nicht. Die geschmuggelten Tiere sind oft nicht beringt oder wenn, dann mit nicht offiziellen Ringen oder schlechten Kopien solcher Ringe. Insofern ist es sinnvoll, die in Deutschland legal nachgezüchteten Tiere mit Fußringen zu kennzeichnen. Aus Artenschutzgründen ist es deshalb noch heute Pflicht, vor allem bedrohte Arten zu kennzeichnen. Außerdem benötigen Halter mancher Vogelarten eine sogenannte CITES-Bescheinigung (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora Externer Link).

Für Wellensittiche ist keine CITES-Bescheinigung erforderlich und es besteht praktisch keine Gefahr, dass in Deutschland Wildfänge dieser Vogelart in den Handel gelangen. Es wäre viel zu aufwendig, die Vögel aus Australien nach Europa zu schmuggeln, zumal es hierzulande extrem viele legale Nachzuchten gibt. Auch wenn der Artenschutzaspekt bei Wellensittichen somit keine Rolle spielt, ist das Beringen dieser Vögel durchaus sinnvoll: Falls ein Wellensittich seinem Halter entfliegt, ist er ohne seinen "Personalausweis" unter Umständen nicht so leicht zu identifizieren.

Noch viel entscheidender ist jedoch, dass durch den Ring eine eindeutige Kennzeichnung der einzelnen Individuen möglich ist, was im Fall eines Ausbruchs einer ansteckenden Krankheit wichtig sein kann. Tritt beispielsweise im Bestand eines Vogelzüchters die Papageienkrankheit (Psittakose) auf, könnten davon auch Tiere betroffen sein, die kurz zuvor verkauft worden sind. Mit Hilfe der Ringnummern kann dann ermittelt werden, wohin die Tiere abgegeben worden sind - die Besitzer können über die möglicherweise bestehende Erkrankung informiert werden. Früher hat es zur Kontrolle dieser Erkrankung die sogenannte Psittakoseverordnung gegeben. Diese ist jedoch inzwischen aufgehoben worden und seit 2012 besteht in Deutschland keine Beringungspflicht mehr für Wellensittiche, siehe Merkblatt des Umweltministeriums NRW Externer Link.

Welche Fußringe gibt es?
Für Wellensittiche und andere Vogelarten sind mehrere Arten von Fußringen verfügbar, die in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Offene Ringe (offizielle Variante)
Offener Ring eines WellensittichsDie meisten Wellensittiche, die als Haustier mit Familienanschluss gehalten werden, tragen sogenannte offene Ringe. Offene Ringe zeichnen sich dadurch aus, dass sie ursprünglich nicht ringförmig sind und mit Hilfe einer Zange um den Fuß eines Sittichs gebogen werden können. Sie können deshalb sowohl Jung- als auch Altvögeln angelegt werden und weisen einen deutlich sichtbaren Spalt zwischen den beiden aufeinandertreffenden Enden des zuvor offenen Ringes auf. Züchter, die einem Verband angehören, der regelmäßig Vogelausstellungen veranstaltet und die ihre eigenen Tiere bei Wettbewerben anmelden, sind in aller Regel dazu verpflichtet, andere Ringe zu verwenden, die man nur Jungvögeln anlegen kann. So soll verhindert werden, dass die Züchter bei Ausstellungen und Wettbewerben zugekaufte Altvögel als ihre eigenen Nachzuchten ausgeben (siehe unten).

Auf diesen silbernen Ringen sind Nummern- und Buchstabenkombinationen zu finden, die es bestimmten Personen ermöglichen, den Züchter der jeweiligen Tiere ausfindig zu machen. Erhältlich sind diese offiziellen Ringe gegen eine geringe Gebühr unter Vorlage der Zuchtgenehmigung bei der folgenden Adresse:

Wirtschaftsgemeinschaft zoologischer Fachbetriebe
Ringstelle
Postfach 6164
65051 Wiesbaden

Fax: 0611/447553-33
E-Mail: ringstelle@zzf.de
Internet: Fußringe für Sittiche und Papageien Externer Link
Link zum Online-Bestellformular Externer Link

Folgende Ziffern- und Buchstabenkombination könnte zum Beispiel auf einem offenen Fußring für Wellensittiche stehen:

Z NW III 2311660

Dabei steht das Z für den Verband, der den Ring ausgegeben hat, in diesem Fall der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF). Es gibt auch Ringe, die an der entsprechenden Stelle den Eintrag B tragen, dieser Buchstabe steht für den Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V. (BNA). Das Kürzel NW im Beispiel symbolisiert das Bundesland, in dem der Vogel beringt worden ist; in diesem Fall ist es Nordrhein-Westfalen. Die Ziffer III steht für die Ringgröße und die Zahlenfolge 2311660 ist eine fortlaufende Nummer. Der Vogelhalter kann anhand dieser Ringnummer den Namen des Züchters nicht selbst herausfinden.

Offene Ringe (inoffizielle Variante)
Inoffizielle offene FußringvarianteUnter bestimmten Umständen kann es erforderlich sein, Wellensittiche mit nicht offiziellen Ringen zu kennzeichnen, die sich einfach zusammenbiegen lassen und in aller Regel lediglich fortlaufende Nummern enthalten. Sie sind bunt gefärbt - zum Beispiel violett oder rot - und bestehen aus Aluminium. Erhältlich sind diese Kennzeichnungsringe in gut sortierten Zoofachhandlungen sowie in Online-Shops mancher Vogelfutter-Spezialhändler.

Geschlossene Ringe
Geschlossener AZ-Ring aus MetallDie dritte Variante sind die sogenannten geschlossenen Ringe, die in ihrem Urzustand bereits ringförmig sind und nicht um das Bein des Vogels gebogen werden. Sie werden als Ganzes in einer bestimmten Weise über den Fuß eines Jungvogels gezogen und können aufgrund ihres festen Innendurchmessers nur bis zu einem bestimmten Alter von wenigen Tagen angelegt werden, danach sind die Zehen der Vögel zu groß. Geschlossene Ringe werden unter anderem von der Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht (AZ) e.V. Externer Link herausgegeben und dienen dazu, Jungvögel sicher als eigene Nachzuchten des jeweiligen Züchters zu kennzeichnen, damit bei Ausstellungen und Wettbewerben kein Betrug stattfinden kann.

Geschlossener AZ-Ring aus KunststoffNoch bis vor einigen Jahren sind die geschlossenen Ringe aus Metall gefertigt worden (siehe Foto oben). Sie waren mit einer Sollbruchstelle ausgestattet, entlang derer der Ring bei jedwedem Manipulationsversuch zerbrochen ist - auch das sollte eine Sicherung gegen eventuellen Betrug bei Zuchtwettbewerben sein. Vor einigen Jahren ist man dazu übergegangen, die geschlossenen Ringe aus stabilem Kunststoff, siehe Foto in diesem Abschnitt, zu fertigen. Auch er zerbricht, wenn der Ring manipuliert wird.

Die früheren geschlossenen Metallringe der AZ haben eine Aufschrift nach dem folgenden Schema getragen:

AZ - 04 - 005 - 12345

Dabei haben Ziffern 04 für das Geburtsjahr des Vogels gestanden, im Beispiel also 2004. Alle von einem Züchter für das Kalenderjahr 2004 bestellten Ringe sind aufsteigend und durchlaufend nummeriert gewesen, sie haben bei 001 begonnen und sind um jeweils einen Zähler weiter aufgestiegen, also 002, 003 und so weiter. Dieser dreistellige Nummernblock ist an der Stelle des Rings zu sehen gewesen, in der im Beispiel oben "005" vermerkt ist. Hat ein Vogel die Nummer 005 auf dem AZ-Ring getragen, so hat er den fünften Ring des entsprechenden Kalenderjahres von seinem Züchter erhalten. Wann das gewesen ist, ist nicht abschätzbar gewesen. Es konnte sein, dass ein Züchter bereits im Januar Jungtiere beringt hat. Doch wenn ein Züchter im Winter und Frühling keinen Nachwuchs hat ausbrüten lassen, konnte die Beringung auch erst im Sommer erfolgt sein. Die fortlaufenden Nummern haben demnach keine zuverlässigen Hinweise darauf geboten, wann ein Vogel im jeweiligen Jahr beringt worden ist.

Auf alten Metall-AZ-Ringen hat sich außerdem eine fünfstellige Nummer befunden, die im Beispiel mit "12345" angegeben ist. Diese fünfstellige Nummer war die Mitgliedsnummer des Züchters in der AZ, dem Verein für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht.

Obwohl es inzwischen Kunststoffringe gibt, ist die AZ einer Regel treu geblieben, die es auch damals bei den Metallringen schon gegeben hat: Die Ringe sind jedes Jahr unterschiedlich gefärbt, wobei sich die Farben allerdings nach einigen Jahren wiederholen.

Neuere AZ-Ringe sind zum Beispiel wie folgt beschriftet:

AZ 12345 P09 005 5,5

Dabei steht AZ für den Züchterverband, die Nummer "12345" symbolisiert die Züchternummer. Die Angabe P09 steht für das Geburtsjahr eines Vogels, im Fall des Beispiels 2009. Ein im Jahr 2011 geschlüpfter und beringter Vogel hat dort folglich den Vermerk P11 auf seinem Ring. Sämtliche von einem Züchter für das Kalenderjahr 2009 beim Verband bestellten Ringe sind aufsteigend und durchlaufend nummeriert, sie beginnen bei 001, 002 und so weiter. Die letzte Angabe auf neueren AZ-Ringen ist eine Zahl wie die oben genannte 5,5. Es handelt sich dabei um die Ringgröße in Millimetern.

Folgende Farben sind bei den AZ-Ringen den einzelnen Jahren zugeordnet (alte und neue Ringe):

1995 = rot
1996 = schwarz
1997 = silber
1998 = blau
1999 = gold
2000 = grün
2001 = rot
2002 = schwarz
2003 = blau
2004 = gold
2005 = grün
2006 = rot
2007 = schwarz
2008 = blau
2009 = lila
2010 = orange
2011 = blau
2012 = rot
2013 = schwarz
2014 = grün
2015 = violett

Achtung: Anstelle des Vermerks "AZ" kann auf einem geschlossenen Fußring auch ein anderes Kürzel stehen. "VZE" steht beispielsweise für Vereinigung der Ziergeflügel- und Exotenzüchter und "DSV" für Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung e.V. Darüber hinaus gibt es geschlossene Ringe mit dem Kürzel "DKB", es steht für Deutscher Kanarienzüchterbund e.V. Diese Ringe sind anders beschriftet, wie man sie liest, erfahren Sie hier Externer Link.

Nachteile von Fußringen
Bei all den Vorteilen, die Fußringe haben, gibt es auch einen entscheidenden Nachteil: Von den Fremdkörpern an den Beinen der Vögel geht ein Verletzungsrisiko aus. Es kann geschehen, dass ein Vogel mit seinem Fußring beispielsweise an einem Sitzast hängen bleibt und sich bei seinen Befreiungsversuchen das Bein zerrt oder gar bricht. Treten am Bein Schwellungen auf, kann ein daran befindlicher Fußring zu schweren Einschnürungen führen. Weil dadurch die Blutzufuhr in den Fuß eingeschränkt wird, besteht die Gefahr, dass die Zehen absterben. Bei Vögeln mit Beinfehlstellungen kann es durch den Ring zu Druckstellen kommen, wenn die Beine beispielsweise seitlich verdreht sind und die Tiere auf ihren Fußringen stehen. All dies sind Fälle, in denen es gerechtfertigt ist, den Fußring von einem Tierarzt entfernen zu lassen.
 
         
 
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