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Wellensittichweibchen nach einer LegenotUnter dem Begriff Legenot versteht man Probleme bei der Eiablage, die sich dadurch äußern, dass das Ei im Körperinneren feststeckt und vom Vogelweibchen nicht abgelegt werden kann. Hängt das Ei außerhalb des Körpers an der nach außen gestülpten Schleimhaut fest, spricht man hingegen von einem Legedarm- oder Kloakenvorfall. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt die mit Blut verkrustete Kloake eines Wellensittichweibchens, das an Legenot gelitten hat. Das Ei wurde vom Tierarzt entfernt und es ging dem Weibchen innerhalb weniger Stunden erheblich besser. Rund um die Kloake hatte sich der Vogel zuvor die Federn ausgerissen, wodurch es zu Blutungen gekommen war. Diese treten nicht in jedem Fall einer Legenot auf.

Dieses Wellensittichweibchen leidet an einer LegenotDie Legenot kann grundsätzlich jedes Vogelweibchen treffen: Sowohl alte als auch junge beziehungsweise unerfahrene oder in Bezug auf das Eierlegen routinierte Hennen kann dieses Schicksal ereilen. Ein Vogel, der unter einer Legenot leidet, sitzt im Anfangsstadium schwer atmend, mit aufgeplustertem Gefieder und breitbeinig da. Meist verweigert das Tier die Nahrungsaufnahme und lässt sich auch nicht vom Partner füttern. Innerhalb von Stunden wird der Vogel zusehends schwächer, weil er das Ei auch durch starkes Pressen nicht aus dem Legedarm bringen kann und hierdurch ermüdet. In diesem Stadium beginnen viele der betroffenen Wellensittiche damit, sich in ihrer Verzweiflung die Federn am Bauch und rund um die Kloake auszureißen, was mitunter zu den weiter oben erwähnten Blutungen der Haut führen kann. Wächst die Erschöpfung weiter, legt sich das betroffene Weibchen auf den Bauch. In vielen Fällen sind die Tiere dann nicht mehr dazu in der Lage, den Kopf aus eigener Kraft zu heben. Das Atmen fällt zudem immer schwerer und der Allgemeinzustand verschlechtert sich rapide. Eine Legenot kann innerhalb von zwölf Stunden zum Tode des Vogels führen, weil er sich vollkommen verausgabt und sehr wahrscheinlich unter starken Schmerzen leidet.

Röntgenbild eines Wellensittichweibchens, das an einer Legenot leidet   Röntgenbild eines Wellensittichweibchens, das an einer Legenot leidet
Röntgenaufnahmen eines Wellensittichweibchens,
das an einer Legenot leidet

Für den Vogelhalter heißt dies, schon beim geringsten Verdacht auf eine Legenot umgehend einen Tierarzt aufzusuchen, der dem betroffenen Vogelweibchen helfen kann. Dies gilt auch dann, wenn die Legenot am Wochenende, an einem Feiertag oder spät am Abend eintritt. Häufig überleben die Vogelweibchen diesen ernsten Zustand nicht bis zum nächsten Morgen oder bis zu einem späteren Zeitpunkt, an dem Tierarztpraxen wieder geöffnet sind. Es ist also unbedingt erforderlich, außerhalb der regulären Öffnungszeiten den tierärztlichen Notdienst oder eine Tierklinik aufzusuchen. Halten Sie den kranken Sittich während des Transports unbedingt möglichst warm, da unter Legenot leidende Hennen stark frieren. Ein Vogelweibchen, das an Legenot leidet, nicht umgehend einem Tierarzt vorzustellen, wäre grausam. Der Tod durch Legenot gehört wohl zum Qualvollsten, was einem Vogelweibchen zustoßen kann.

Legenot bei einem Katharinasittichweibchen
Das Katharinasittichweibchen Maxi litt an einer schweren Legenot.
Ihre Kloake war enorm geschwollen und gerötet. Obwohl die Halterin
alles versuchte, um Maxis Leben zu retten, starb der Vogel.

Wird eine Legenot rechtzeitig erkannt, kann der Tierarzt den Vogel in den meisten Fällen retten, indem er das Ei fachkundig entfernt - zum Beispiel mit Gleitmittel und einer Massage oder in manchen Fällen durch eine Notoperation. Experimentieren Sie auf keinen Fall selbst und massieren Sie Ihren an Legenot leidenden Vogel nicht, um die Eiablage zu beschleunigen. Das Ei könnte bei unsachgemäßer Behandlung im Legedarm zerbrechen und dabei die empfindlichen Schleimhäute verletzen. Dies könnte nicht nur zu einer schweren Blutung, sondern auch zu einer lebensbedrohlichen Infektion führen.

Meist produzieren Vogelweibchen nach einer Legenot weitere Eier, die häufig normal gelegt werden können. Sollten sich jedoch auch beim nächsten Ei Schwierigkeiten ergeben, kann der Tierarzt eine Hormonbehandlung durchführen, um weitere Eiablagen vorerst zu unterbinden. Allerdings ist diese Hormonbehandlung nicht ohne Nebenwirkungen. Deshalb ist es ratsam, ein Weibchen, das unter Problemen bei der Eiablage gelitten hat, nicht mehr brüten zu lassen. Vogelhaltern steht darüber hinaus eine weitere Option zur Verfügung: Ein Vogelweibchen, das unter schweren Komplikationen beim Eierlegen gelitten hat, kann unter Umständen vom Tierarzt kastriert werden, indem der Legedarm entfernt wird. Das Risiko dieses Eingriffs muss im Einzelfall abgewogen werden.
         
 
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