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Wellensittichweibchen mit LegezwangImmer wieder kommt es vor, dass ein Vogelweibchen geradezu zwanghaft Eier legt. In manchen Fällen ist kein Partner vorhanden, weil das Tier als Einzelvogel gehalten wird, obwohl diese Art der Haltung für die meisten Vogelarten in aller Regel nicht zu befürworten ist. In anderen Fällen soll ein Vogelpaar nicht brüten, das Weibchen legt aber dennoch immer wieder neue Eier. Um gegen den unerwünschten Eiersegen vorgehen zu können, ist es wichtig, die Hintergründe für das gesteigerte Brutverhalten der hiervon betroffenen zu kennen und gezielt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Was ist ein Legezwang?
Unter dem Begriff Legezwang versteht man einen übersteigerten, abnormen Bruttrieb beim weiblichen Vogel. Dieser kann sich auf verschiedene Weise darstellen. Zum einen kann ein Symptom eines Legezwangs sein, dass das betroffene Vogelweibchen sehr viele eier legt. Gemessen an einer durchschnittlichen Gelegegröße erzeugt es demnach deutlich mehr Eier. Da die Gelegegröße je nach Vogelart unterschiedlich ist, gibt es keine feste Anzahl, anhand derer sich ein normaler Bruttrieb von einem Legezwang unterscheiden lässt. Bei Wellensittichen kann man aber davon ausgehen, dass acht bis zehn Eier meist das Maximum sind. Was darüber hinaus geht, kann ein Anzeichen für einen Legezwang sein. Werden in dichter Folge mehr als 15 Eier gelegt, handelt es sich in den meisten Fällen um einen Legezwang.

Eine weitere Abweichung vom normalen Bruttrieb ist typisch für einen Legezwang: Es kann geschehen, dass Vogelweibchen Gelege produzieren, obwohl die Rahmenbedingungen dafür an sich nicht gegeben sind. So kann es zum Beispiel geschehen, dass Wellensittiche, die normalerweise Höhlenbrüter sind und für gewöhnlich Nistkästen zur Jungenaufzucht benötigen, ihre Eier einfach auf den Boden oder eine andere Stelle legen.

Um zu verstehen, welche Rahmenbedingungen normalerweise erfüllt sein sollten, damit ein Vogel unter natürlichen Bedingungen brüten würde, sollte man einen Blick auf die wilden Verwandten der Heimvögel werfen. Anhand dieser Betrachtungen lässt sich ein abnormes Brutverhalten von in Menschenobhut gehaltenen Ziervögeln oft gut erkennen.

Unter welchen Umständen brüten Wellensittiche normalerweise?
Wilde Wellensittiche sind in ihrer australischen Heimat Nomadenvögel, die auf der Suche nach Nahrung ständig durch das Land ziehen. Nur zum Brüten werden sie vorübergehend sesshaft. Hierfür müssen mehrere günstige Faktoren zusammentreffen, anderenfalls geraten wilde Wellensittiche nicht in Brutstimmung:

  • Es muss ein gesunder Geschlechtspartner vorhanden sein.
  • Die Konstitution (der Gesundheitszustand) des Weibchens muss gut sein.
  • Die Nahrungssituation muss stimmen. Das bedeutet, die australischen wilden Wellensittiche müssen in einen Bereich des Landes gelangen, in dem gerade frisches Gras mit (halbreifen) Samenständen vorhanden ist.
    Bei in Gefangenschaft lebenden Vögeln ist die Nahrungssituation für gewöhnlich generell gut, sodass diese Voraussetzung für die Brut für sie nahezu immer erfüllt ist. Dennoch ist hier unbedingt anzumerken, dass die Ziervogelweibchen während der Produktion der Eier eine besonders abwechslungsreiche und vor allem mineralstoffhaltige Kost, also eine sogenannte Aufzuchtnahrung, benötigen (u. a. viel Kalzium).
  • Die Vögel benötigen einen Nistplatz, der vor Feinden sicher und trocken ist. Wellensittiche sind Höhlenbrüter, ohne das Vorhandensein einer Höhle (bzw. bei Heimvögeln ohne einen Nistkasten) brüten sie normalerweise nicht.
Bei in Menschenobhut gehaltenen Ziervögeln kann es zu Abweichungen von diesem Schema oder gar zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Eine solche Abweichung oder Verhaltensauffälligkeit ist der sogenannte Legezwang. Die Vogelweibchen legen wie unter Zwang immer wieder Eier, obwohl die äußeren Rahmenbedingungen oft nicht ideal für eine Brut sind. Im Folgenden finden Sie zwei relativ typische Fallbeispiele für einen Legezwang, wie er bei einem in Menschenobhut gehaltenen Wellensittichweibchen auftreten kann.

Legezwang-Fallbeispiel 1: Das einzeln gehaltene Weibchen
Wellensittiche sind Schwarmvögel. Sie einzeln zu halten, ist nicht tiergerecht, siehe auch die Birds-Online-Rubrik "Gegen Einzelhaltung". Dennoch halten viele Menschen - teils obwohl sie es eigentlich besser wissen - Wellensittiche einzeln. Solche Einzelvögel neigen zu einer Reihe von Verhaltensauffälligkeiten, unter ihnen auch der Legezwang.

Einzeln gehaltene Weibchen genießen oft die volle Zuneigung "ihrer" Menschen, die sie aufgrund ihrer Fehlprägung in vielen Fällen als ihre Sexualpartner ansehen. Es kann geschehen, dass sie sehr stark in Brutstimmung geraten. Alarmzeichen für einen bevorstehenden Legezwang sind sich ständig wiederholende Aufforderungen zum Paarungsakt. Dabei macht sich das Vogelweibchen steif und es streckt die hintere Körperhälfte empor, wobei der Kopf ein wenig in den Nacken gelegt wird. Weitere Hinweise auf eine kurz bevorstehende Eiablage sind riesiger Kotballen. Außerdem halten sich Vogelweibchen, die an einem Legezwang leiden oder stark in Brutstimmung sind, gern in höhlenartigen Gegenständen wie Pappkartons, etc auf.

Legezwang-Fallbeispiel 2: Das im Paar oder Schwarm gehaltene Weibchen
Auf dem Boden brütendes WellensittichweibchenAuch Vogelweibchen, die mit einem männlichen Partner oder in einem kleinen Vogelschwarm gehalten werden, können ebenfalls in Brutstimmung geraten. Nicht in jedem Fall stehen den Tieren Nistplätze zur Verfügung. Dass ein Weibchen trotzdem Eier legt, und zwar beispielsweise auf dem Boden eines Käfigs, in einem Regal oder an einem anderen Platz, kommt dennoch gelegentlich vor. Beobachtet man Paarungsakte bei seinen Vögeln, ist dies an sich noch kein Alarmsignal. Erst wenn das Weibchen damit beginnt, sehr große Kotballen abzusetzen, zeichnet sich sehr wahrscheinlich der Beginn einer Legephase ab, die in einen Legezwang übergehen kann.

Achtung: Junge Sittiche und Papageien, die im Rahmen einer solchen Bodenbrut schlüpfen, haben teils sehr schlechte Überlebenschancen. Deshalb sollte man ein solches Bodengelege entweder in einen Nistkasten legen oder  sterilisieren. Oft erleiden am Boden ausgebrütete Küken zudem schwere Hüftfehlstellungen. Typisch sind seitlich vom Körper abstehende Beine, sogenannte Spreizbeine. Ist es doch zu einer Bodenbrut gekommen und sind Jungvögel geschlüpft, sollte der Züchter den Zustand der Hüften der Tiere unbedingt sehr genau überwachen und bei Anzeichen von Spreizbeinen umgehend einen fachkundigen Tierarzt zu Rate ziehen.

Warum ist ein Legezwang gefährlich?
Von Hühnern kennt man es, dass sie permanent Eier legen und dies mehr oder minder gut verkraften. Doch bei Ziervögeln verhält es sich anders. Sie sind nicht wie die Legehennen speziell darauf gezüchtet, so viele Eier zu legen. Außerdem erhalten sie meist kein Spezialfutter wie die Legehennen, sodass ein Legezwang für einen Ziervogel körperlich extrem anstrengend ist. Hinzu kommt, dass Legehennen meist nicht besonders alt werden, weil ihr Körper nach recht kurzer Zeit "verbraucht" ist. Mit Ziervögeln sind sie deshalb nicht zu vergleichen.

Unternimmt der Halter bei einem Ziervogel nichts gegen das permanente Eierlegen, kann fehlt dem betroffenen Weibchen irgendwann die Energie, um normale Eier zu produzieren. Die von ihrem Körper vor der Brut angelegten Kalziumdepots (dieser Mineralstoff wird in den Knochen eingelagert) sind nach einer Weile aufgebraucht. Andere Nährstoffe werden im Körper ebenfalls knapp. Außerdem ist der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen und das Immunsystem kann geschwächt sein, wodurch die allgemeine Infektanfälligkeit steigt.

Viele von einem Legezwang betroffene Vogelweibchen produzieren mit der Zeit immer dünnschaligere Eier, die als Weichschalen- oder Windeier bezeichnet werden. Weil diese Eier oft nur schwer zu legen sind, kann es zu gravierenden gesundheitklichen Komplikationen bis hin zu einer lebensbedrohlichen Legenot kommen. Auch ein Kloakenvorfall kann sich ereignen. Hierbei rutscht ein Teil des Legedarms mit aus dem Körper, wenn ein Ei gelegt wird. Der Darmabschnitt kann schnell austrocknen und absterben, was zu schweren Infektionen und häufig sehr rasch zum Tod des betroffenen Vogels führt.

Ebenfalls zu erwähnen ist eine in Zusammenhang mit einem Legezwang häufig auftretende gesteigerte Aggression der betroffenen Vogelweibchen. Sie sind so sehr auf ihre Fortpflanzung bedacht, dass sie Artgenossen und anderen Vögeln oder mitunter auch Menschen gegenüber sehr aggressiv reagieren. Nicht selten kommt es unter den Vögeln zu Kämpfen und blutigen Beißereien. Diese können so heftig sein, dass sich die Vögel gegenseitig töten.

Wie lässt sich ein Legezwang stoppen?
Das extreme Eierlegen sollte möglichst rasch unterbunden werden. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Tierärzte können den betroffenen Weibchen ein männliches Geschlechtshormon per Spritze verabreichen, danach stoppt die Eiproduktion in aller Regel sofort. Es standen früher verschiedene Präparate zur Auswahl, von denen eines inzwischen vom Markt genommen wurde. Dieses Mittel verursachte oft Leberschäden bei den Vögeln. Doch auch die derzeit genutzten Mittel können Nebenwirkungen aufweisen. Ein Medikament mit dem Wirkstoff Leuprolit führte in der Vergangenheit bei mehreren Wellensittichen zu einer Diabeteserkrankung, die unmittelbar nach der Behandlung auftrat. Es ist also immer sinnvoll, bei einer Hormonbehandlung genau abzuwägen, ob die Gefahr durch die Legenot oder durch eventuelle Nebenwirkungen größer ist. Dass der Einsatz von Medikamenten gegen einen Legezwang das Leben des therapierten Vogels in Gefahr bringen kann, zeigt dieser Erfahrungsbericht der Wellensittichhalterin Elena Körner.

Hilfreich kann in Bezug auf den Legezwang ein Besuch beim Tierheilpraktiker sein, der mit homöopathischen Präparaten regulierend einwirken kann, ohne dass dies mit massiven Nebenwirkungen einhergehen würde. Ansonsten gilt: Meist sorgt eine Änderung der Haltungs- und Ernährungsbedingungen zuverlässig für Abhilfe.

Legewütige Weibchen sollten keinen Nistkasten oder Ähnliches erhalten, denn dadurch kann der Legezwang im ungünstigsten Fall sogar noch gefördert werden. Ist bereits ein Gelege vorhanden, sollte man es nicht einfach zusammen mit dem Nistkasten entfernen, sondern die Eier sterilisieren beziehungsweise durch Kunststoffeier ersetzen, wenn kein Nachwuchs erwünscht ist.

Beschäftigungs- und Klettermöglichkeiten können dem Auftreten eines Legezwangs oft vorbeugenEine ausgewogene Ernährung ist für Vögel in jeder Lebenslage wichtig. Bei Weibchen mit einem übersteigerten Bruttrieb verhält es sich allerdings so, dass eine eiweißreiche Kost die Brutlust steigern oder aufrecht erhalten kann.Deshalb sollte solches Futter - zumindest für einige Zeit - vom Speisezettel gestrichen werden. Eiweißreich ist zum Beispiel Keimfutter. Auch weitere Futtermittel sind eiweißhaltig. Es ist sinnvoll, sich im Einzelfall von einem Tierarzt beraten zu lassen, wie man ein an Legezwang leidendes Weibchen ernähren soll. Denn keinesfalls sollte die Kost so "mager" ausfallen, dass dem ohnehin bereits überlasteten Organismus des Vogels eine zu geringe Menge Nährstoffe zugeführt wird. Es kann mitunter sinnvoll sein, einen Vogel, bei dem ein Legezwang vorliegt, mit einem Aufbaumittel und Kalzium zu versorgen. Der zu Rate gezogene Tierarzt kann festlegen, ob dies im individuellen Fall erforderlich ist. Wichtig ist es zudem, für ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten zu sorgen, siehe Foto rechts. Ein Vogel, der gemeinsam mit seinem Partner viele Naturspielzeuge erkunden kann, ist ausgeglichener und gerät nicht so leicht unter Legezwang wie ein Vogel, der sich langweilt.
         
 
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